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Veränderte Meeresströmungen bewirken schnellen Klima-Umschwung

Tausend Jahre nach ihrem Beginn hat eine kontinuierliche Erwärmung des Südozeans am Ende der letzten Eiszeit einen abrupten Klimaumschwung in hohen nördlichen Breiten ausgelöst. Bisher wunderten sich Forscher über die lange Verzögerung. Mit aufwendigen Computersimulationen am Klimarechenzentrum in Hamburg haben Gregor Knorr und Gerrit Lohmann von der Universität Bremen jetzt die genauen Zusammenhänge aufgedeckt.

Auf dem Höhepunkt der Eiszeit war demnach die Warmwasserströmung aus dem Indischen Ozean um das Kap der Guten Hoffnung herum in den Atlantik völlig zum Erliegen gekommen, weil das Meereis um die Antarktis sehr weit nach Norden reichte. Auch der Kaltwasserstrom aus dem Pazifik um Kap Hoorn herum in den Atlantik war erheblich schwächer als heute. Als sich das Klima im Südpolarmeer um die Antarktis langsam erwärmte, verstärkten sich beide Strömungen allmählich wieder und flossen im Atlantik gemeinsam nach Norden weiter.

Nach Passage der Tropen transportierte das Wasser aus dem Süden dann grosse Wärmemengen nach Norden und begann dort, das Eis auf dem Meer zu schmelzen. Zunächst wich die Grenze des Eises kontinuierlich nach Norden zurück, berichten die Forscher jetzt im Wissenschaftsmagazin "Nature". Als aber das Eis auf der Labradorsee zwischen der Südspitze von Grönland und Kanada schmolz, wurde eine andere Strömung wieder zum Leben erweckt, die während der Eiszeit völlig zum Erliegen gekommen war. Sobald es in der Labradorsee aber offenes Wasser gab, kühlten die eisigen Luftmassen von den Gletschern Grönlands und dem Eismeer das salzhaltige Wasser kräftig ab. Dadurch wurde es schwerer, sank in die Tiefe und floss am Meeresgrund nach Süden. Im Gegenzug entstand an der Meeresoberfläche ein Sog, der warmes Wasser aus tropischen Gefilden weit nach Norden führte. Diese warme Strömung beschleunigte das Schmelzen des nordischen Eises und verursachte den Temperatursprung am Ende der letzten Eiszeit. Dadurch sei auch die Wärmepumpe des Golfstroms vor etwa 15'000 Jahren quasi auf einen Schlag angesprungen, so Lohmann. Heute funktionieren diese Strömungen ganz ähnlich wie am Ende der letzten Eiszeit. Der Sog in der Labradorsee ist ein wichtiger Faktor, der den Golfstrom antreibt. Steigen die Temperaturen auf dem Globus weiter, könnten demnach andere Änderungen dieser Meeresströmungen erneut abrupte Klimaänderungen auslösen.
RHK


web Artikel erschienen in "Die Welt" am 31. Juli 2003
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